Die Corona-Pandemie hat das Thema New Work ganz oben auf die Agenda vieler Betriebe gesetzt. Und während die einen noch über Work-Life-Balance diskutieren, sind andere schon bei der Work-Life-Fusion angekommen.

Wie die Gesellschaft, unterliegt auch die Arbeitswelt einem stetigen Wandel. Noch vor 20 Jahren waren 9-to-5-Jobs an der Tagesordnung. Man ist morgens ins Büro gefahren und kam abends nach Hause. In den Unternehmen gab es feste Hierarchien und für die meisten Mitarbeiter war das wichtigste Kriterium im Job eine gute Bezahlung. Der Karriere zuliebe hat man gerne auch mal Überstunden gemacht, die Freizeit geopfert und individuelle Bedürfnisse zurückgestellt.

Aber die Zeiten haben sich geändert – und die Corona-Pandemie hat diesen Paradigmenwechsel noch beschleunigt. Die moderne Arbeitswelt ist geprägt von der Digitalisierung, mit der einher nicht nur neue Arbeitsformen, sondern auch neue Werte gehen. Arbeitnehmer wünschen sich zunehmend Freiräume, um sich selbst zu verwirklichen. Sie möchten Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln. Aus Einzelkämpfern werden Team Player. Gefragt sind flache Hierarchien (Holokratie), innerhalb derer Führungskräfte nicht kontrollieren und befehlen, sondern vielmehr die Rolle eines Moderators einnehmen. Insbesondere das Thema Vertrauen spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Eng damit verbunden ist der Arbeitsplatz der Zukunft. Unterhält man sich mit Büroplanern, geht der Trend ganz klar in Richtung Kreativräume respektive Huddle Rooms. In diesen arbeiten Teams von etwa sechs Leuten zusammen. Einen festen Arbeitsplatz im Sinne von „mein Schreibtisch“ gibt es nicht. Das jeweilige Projekt bestimmt die Zusammensetzung der Teams und das Arbeitsumfeld. Das kann auch durchaus so aussehen, dass zwei Mitarbeiter im Büro sitzen, zwei im Home Office und einer beim Kunden – und dennoch arbeitet man in einer Videokonferenz an einem digitalen Whiteboard zusammen und entwickelt Ideen.

Das Spannungsfeld zwischen Work-Life-Balance und Work-Life-Fusion

Das hört sich alles gut an, bringt aber ein ganz anderes Problem mit sich: Denn aus der hochgelobten Work-Life-Balance wird zunehmend eine Work-Life-Fusion. Und das will nicht jeder.

Bei der Work-Life-Balance geht es im Kern darum, dass sich Privatleben und Beruf miteinander ein Einklang bringen lassen. Zu den Maßnahmen, die seitens der Unternehmen ergriffen werden können, um den Erwartungen junger Mitarbeiter gerecht zu werden, zählen unter anderem flexible Arbeitszeiten, Home Office-Lösungen und Remote Working.

Dadurch ist es problemlos möglich, auch mal in einem Straßencafé oder vom Badestrand aus zu arbeiten. Am Ende des Tages zählt die erbrachte Leistung. Ob man acht Stunden durcharbeitet oder die Arbeit in Blöcken ins Privatleben integriert, spielt keine Rolle. Man kann morgens zwei Stunden arbeiten, dann eine Stunde mit seinen Kindern auf den Spielplatz gehen, wieder drei Stunden arbeiten, eine Stunde Tennis spielen, abends mit der Familie essen und danach nochmal das Laptop aufklappen. Alles kein Problem. Allerdings verschwimmen dadurch die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf. Aus der Work-Life-Balance wird die Work-Life-Fusion. Bei diesem Konzept stehen zwar ebenfalls das glückliche Individuum und dessen Selbstverwirklichung im Mittelpunkt, aber dieser Zustand wird eben dadurch erreicht, dass Job und Privatleben verschmelzen.

Studien zeigen, dass insbesondere die neue Generation Z, also die Gruppe der ab 1997 geborenen, damit nichts anfangen kann. Das bringt uns zur Work-Life-Separation. Hier ist zwar weiterhin Flexibilität gefragt, allerdings mit klaren Grenzen beziehungsweise Strukturen. Home Office und Remote Working ja, aber keine E-Mails außerhalb der Arbeitszeit oder am Wochenende.

All das zeigt, welche Herausforderungen und Spannungsfelder Unternehmen zukünftig meistern müssen, um für junge Talente attraktiv zu bleiben – und vor allem auch, mit welcher Dynamik sich die Anforderungen an Arbeitgeber weiterentwickeln. Viele Unternehmen tun sich bis heute noch mit einfachen Konzepten wie der Work-Life-Balance schwer und laufen damit Gefahr, mittelfristig den Anschluss zu verlieren.

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Frank Feil, Jahrgang 1986, berät und schult regionale sowie überregionale Unternehmen in den Bereichen Social Media und Corporate Publishing. Zudem ist er als freier Autor tätig. Schon von Kindesbeinen an fasziniert ihn alles, was mit Technik und dem Internet zu tun hat. Seit 2006 ist er als Blogger und Community Manager im Netz unterwegs.